Häufige Fragen
Was ist eine Blockierung; Was ist eine Blockade?
Eine Blockierung ist eine reversible Bewegungseinschränkung eines Gelenks. Eine Blockade hingegen ist eine irreversible Beweungseinschränkung, bei der es zu Verknöcherungen (Ankylosierungen) kommt. Die Blockade ist die Folge einer lange bestehenden Blockierung.
Ist ein Gelenk blockiert, so ist es in einer oder mehreren Bewegungsrichtungen eingeschränkt. Die Blockierung bezieht sich dabei nicht nur auf die Gelenkflächen, sondern ist ein komplexes Geschehen, welches Veränderungen der umgebenden Muskulatur und nervale Irritationen mit sich bringt.
Durch einen Störfaktor (z.B. schief sitzender Reiter, unpassender Sattel, einseitige Belastung...) kommt es automatisch zu einer veränderten Muskelspannung der gelenkumgebenden Muskulatur, da der Körper versucht, den gestressten Bereich zu schützen. Besteht diese Verspannung über längere Zeit, so entstehen Schmerzpunkte (Triggerpunkte). Die antagonstische Muskulatur (der Gegenspieler des Muskels) wird hingegen gehemmt. Die Bewegung im Gelenk wird noch mehr erschwert, der Druck auf die Gelenkflächen nimmt zu, die knorpeligen Gelenkfächen haften vermehrt zusammen (wenn in diesem Stadium die Blockierung gelöst wird, kann es schon mal zu dem typischen Knackgeräusch kommen). Bleibt das Gelenk weiterhin unbewegt, kann es zu strukturellen Umbauten im Gelenk kommen bis das Gelenk am Ende durch diese knöchernen Um- und Zubauten versteift.
Deshalb ist es wichtig, die physiologische Beweglichkeit eines Gelenks zu erhalten, bzw. durch eine Behandlung wiederherzustellen.
Warum neigt ein Pferd mehr, das andere weniger zu Blockierungen?
- Die Neigung zu Blockierungen ist von vielen Faktoren abhängig. Allgemein kann man sagen, dass ein Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit eine Störung begünstigt.
- Je weiter das Exterieur des Pferdes vom Optimum entfernt ist, desto eher kann es Blockierungen bekommen, da seine Gelenke ungleichmäßiger belastet werden.
- Artgerechte Haltung, ausreichend Bewegung, gutes Futter, ein passender Sattel, regelmäßige Zahnkontrollen und sachgemäße regelmäßige Hufbearbeitung halten das Pferd gesund.
- Besonders häufig ist die Ursache in der Reitweise zu suchen: ein schief sitzender Reiter; starke Zügeleinwirkung, ein zu häufiger bzw. unsachgemäßer Gebrauch von Hilfszügeln; eine Reitweise, die die Anatomie des Pferdes nicht berücksichtigt (was oft auf Unwissenheit des Reiters und auch manchen Reitlehrers beruht).
Ist ein gewisser Druckschmerz im Bereich der Wirbelsäule normal?
Nein. Wenn ich durch Druck mit den Fingern auf die Muskulatur einen Schmerz provozieren kann (auch wenn ich einen stärkeren Druck ausübe) so ist dies ein Zeichen für eine Verspannung. Der Körper lässt die Muskeln nur dann verspannen, wenn ein Problem vorliegt und er diesen Bereich schützen möchte. Nur ein entspannter Muskel wird hinreichend durchblutet und kann sinnvoll arbeiten.
Warum ist es so wichtig das Pferd von „Kopf bis Huf“ zu untersuchen?
Die Osteopathie behandelt nicht nur die Symptome, sondern in erster Linie die Ursachen für ein gestörtes Bewegungsmuster. Die Ursache für eine gestörte Bewegung liegt nicht immer an dem Ort, wo sie sichtbar wird. Der Körper hängt mit seinen Muskeln, Knochen, Nerven, vor allem durch seine Fascien (bindegewebige Häute, die den gesamten Körper durchziehen) von Kopf bis Huf zusammen.
Ein Beispiel: Eine verletzungsbedingte Schonhaltung eines Vorderbeins führt zu einer Verlagerung des Gewichts auf das gesunde Vorderbein und dessen diagonales Hinterbein. Die Muskelspannungen und somit auch die Gelenkstellungen veränderten sich, Brustkorb und Becken verdrehen, nehmen entsprechend die Wirbelsäule mit, wobei die kleinen Wirbelgelenke unter vermehrten Druck geraten. Dieser Druck in den kleinen Wirbelgelenken verursacht wiederum Verspannungen. Die Verspannungen ziehen durch die Verzahnung der Muskeln unter anderem auch an den Kopfgelenken. Dem Reiter fällt dies zunächst nicht auf. Wenn das Pferd mit diesem Befund gut geritten, gehalten und gefüttert wird, so kann es diese Schonhaltung für den Durchschnittsreiter unbemerkt kompensieren.
Wenn nun aber irgendein Störfaktor (Krankheit, Schwäche, Wetter etc.) auftaucht, so wird das Pferd nicht weiter kompensieren können. Durch den Muskelzug auf die Kopfgelenke kommt es zu Blockierungen. Das Pferd verwirft sich im Genick (erst hier wird das Problem für den Reiter oft sichtbar). Würde ich nun in meiner Behandlung nur den Bereich des Genicks untersuchen und die dort bestehenden Blockaden lösen, so wäre der Erfolg nur von kurzer Dauer, da die Blockade durch den ursächlichen und noch bestehenden Muskelzug wiederkehren würde. Ich muss also das gesamte Pferd untersuchen um der Ursache auf die Schliche zu kommen. Bei der großen Anzahl an Gelenken und Weichteilen ist es nicht immer einfach, aber möglich, das Puzzle zusammenzusetzen und dann sinnvoll behandeln zu können.
Wie oft muss das Pferd behandelt werden?
Das ist abhängig von Art und Schwere des Problems. Manchmal reicht schon eine Behandlung aus. In anderen Fällen sind mehrere Behandlungen nötig. Ich rufe den Pferdebesitzer ca. vier Wochen nach der Erstbehandlung an, um mich über den aktuellen Stand zu informieren und vereinbare dann bei Bedarf Termine zur Nachbehandlung.
Ich empfehle, jedes Pferd (besonders für Sport- und Turnierpferde) zur Optimierung der Leistungsfähigkeit 1 - 2 Mal jährlich behandeln zu lassen.
Warum schaut sich der Osteopath auch den Sattel an?
Ein unpassender Sattel ist häufig die Ursache für Bewegungseinschränkungen, Sattel- und Gurtzwang, Widersetzlichkeiten, mangelnde Losgelassenheit, Taktfehler etc. Ebenso ist die Passform des übrigen Zaumzeugs wichtig.
Wie lange dauert die Behandlung?
Für jeden meiner Patienten nehme ich mir Zeit. Die Erstbehandlung dauert ca. 1,5 bis 2 Stunden.
Kann ich selbst nach der Behandlung auch etwas tun?
Auf jeden Fall. Am Ende meiner Behandlung zeige ich dem Reiter / Besitzer Übungen zur Dehnung und Mobilisation.
Soll ich meinen Tierarzt vor einer osteopatischen Behandlung befragen?
Ja. Osteotherapeuten arbeiten nicht gegen Tierärzte, sondern mit Ihnen zusammen. Beide Berufsgruppen haben ihre Zuständigkeitsbereiche und beiden sind Grenzen gesetzt.
Kann ich von dem Osteopathen Wunder erwarten?
Nein. Wunderheiler sind wir nicht. Oft ist es jedoch erstaunlich, welche Ergebnisse man erreichen kann.